Letzte Änderung: 22. September 2014

Profil

Mitglieder, Gründer, Förderer

Die »Berliner Studien zum Jüdischen Recht« vereinen Mitglieder der Juristischen Fakultät (die Professoren Benöhr, Heger, Möllers und Schlink) und der Theologischen Fakultät (Professor Schieder) der Humboldt-Universität zu Berlin und der Jüdischen Gemeinde Berlin (Dr. Skoblo). Die Vereinigung wurde 1996 von Prof. Dr. Bernhard Schlink unter dem Eindruck seiner Gastprofessuren an der Benjamin N. Cardozo School of Law der Yeshiva University (New York), Ignaz Bubis, dem damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, und Dr. Roman M. Skoblo ins Leben gerufen. Die finanziellen Förderer sind nunmehr die Samuel-Braun-Group, Berlin, und seit 2009 zusätzlich die Meyer-Struckmann-Stiftung als Begründer der »Meyer-Struckmann-Professur für Jüdisches Recht«, durch deren Unterstützung es ermöglicht wird, dass Prof. Rabbi Tsvi Blanchard zum Sommersemester 2011 bereits zum dritten Mal in Berlin begrüßt werden kann. Die Bank Sal. Oppenheim hatte sich zum Ende des Jahres 2008 aus der Rolle des langjährigen Förderers der »Berliner Studien zum Jüdischen Recht« zurückgezogen.

Lehre und Lehrer

Die »Berliner Studien zum Jüdischen Recht« laden in jedem Sommersemester eine Professorin oder einen Professor zu Lehrveranstaltungen über Jüdisches Recht ein. Das Thema ist so weit, dass die Gastprofessoren – je nach ihrer Forschungs- und Lehrausrichtung – so verschiedene Aspekte wie die historische Entwicklung des Jüdischen Rechts von der Antike bis heute, vorder-orientalisches, biblisches, talmudisches, alt- und neuisraelisches Recht, Jüdische Staats- und Rechtsphilosophie sowie die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden behandelt haben.

Als erster Gastprofessor kam 1996 Professor Calum Carmichael (Cornell University) nach Berlin, es folgten einmal oder öfter Professorin Dr. Tessa Rajak (University of Reading) und die Professoren Jeffrey Roth (Touro College), Shalom Albeck (Bar Ilan University), Izhak Englard und Reuven Yaron (beide Hebrew University), Arthur J. Jacobson (Benjamin N. Cardozo School of Law) und Tsvi Blanchard (National Center for Learning and Leadership) – alle Gelehrte von internationalem Ansehen. Professor Albeck konnte seine Berliner Vorlesungen als Grundlage für sein Lehrbuch über talmudisches Recht benutzen, das er 1999 in Tel Aviv veröffentlicht hat.

Motivation und Ziele

Die Beschäftigung mit dem Jüdischen Recht entspringt in erster Linie dem Bedürfnis der Studierenden wie auch der anderen Hochschulmitglieder, etwas über die durch die Verbrechen des Dritten Reichs in Deutschland zerstörte jüdische Tradition zu erfahren. Dabei hat es einen gewissen Symbolwert, der von den jüdischen Gästen immer wieder betont wird, dass sich bis in das Dritte Reich die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße in unmittelbarer Nähe der Juristischen Fakultät befunden hat.

Weitere wissenschaftliche Interessen betreffen den Vergleich unserer Tradition staatlichen, säkularen Rechts mit einer Tradition weitgehend nicht-staatlichen, einheitlich weltlich-geistlichen Rechts. Heute gehört das Jüdische Recht allerdings zu einer der Grundlagen des Rechts des Staates Israel. Schließlich bedeutet die Verbreitung der Kenntnisse über jüdisches Recht gerade unter jungen Juristen, die später zu den Faktoren der öffentlichen Meinung gehören werden, ein wenigstens kleines Instrument in dem nicht endenden Kampf gegen den Antisemitismus.

Studienplan und Interessenten

Die Lehrveranstaltungen sind als Grundlagenfach und in dem Schwerpunktbereich "Zeitgeschichte des Rechts" im Studienplan der Juristischen Fakultät verankert. Sie bestehen aus einer zweistündigen Vorlesung und einem ebenfalls zweistündigen Seminar. Zum Abschluss der Teilnahme an der Vorlesung kann eine sog. Grundlagenklausur, zum Abschluss der Teilnahme am Seminar eine Studienarbeit für die Erste juristische Prüfung geschrieben werden. Die Lehrveranstaltungen werden auch gern von ausländischen Studierenden (Erasmus) besucht. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, an den Veranstaltungen ohne jeden Abschluss aus reinem Wissensdrang teilzunehmen. Als Teilnehmer waren und sind auch Mitglieder anderer Fakultäten und Hochschulen Berlins und Brandenburgs und interessierte Bürgerinnen und Bürger willkommen. Durch die Gastprofessorinnen und -professoren und ihre Veranstaltungen angeregt und gefördert sind an unserer Fakultät im Bereich des Jüdischen Rechts mehrere Dissertationen verfasst worden; dies ist auch weiterhin möglich.

Weitere Veranstaltungen

In den Wintersemestern kommt regelmäßig Professor Rabbi Bleich (Benjamin N. Cardozo School of Law) für kürzere Zeit zu Vorträgen und Seminaren. Weitere Gastvorträge, Symposien und dergleichen wurden durchgeführt und sind in der Planung.

Die Gastprofessorinnen und -professoren halten außerdem Vorträge innerhalb der jüdischen Gemeinde Berlins, für die Deutsch-Israelische Juristenvereinigung, den Berliner Gesprächskreis jüdischer Ärzte oder auch im Rahmen des Frankfurter Graduiertenkollegs Rechtsgeschichte.

Bibliothek

Eine kleine Bibliothek mit deutschen und englischen Übersetzungen des Talmud, anderen Grundlagentexten, Lexika, Handbüchern, historischen und systematischen Darstellungen ist im Aufbau. Die Bibliothek erlaubt, die Veranstaltungen vorzubereiten und nachzuarbeiten.

Standort und Auskünfte

Die »Berliner Studien zum Jüdischen Recht« befinden sich in Raum E28 (Bebelplatz 1) und sind telefonisch erreichbar unter +30 2093-3321. Dort und bei den Professoren Benöhr (Tel. +30 86423041), Heger (Tel. +30 2093-3485), Schieder (Tel. +30 2093-5760) und Schlink (Tel. +30 2093-3454) können nähere Auskünfte eingeholt werden.

Vergangenheit und Zukunft

An dieser Stelle sei an die lange Reihe Rechtswissenschaftler jüdischer Herkunft an unserer Fakultät erinnert, unter anderen an die Professoren: Eduard Gans, Friedrich Julius Stahl, Levin Goldschmidt, Heinrich Dernburg, Ernst Rabel, Martin Wolf, Arthur Nussbaum, Hermann Heller, James Goldschmidt, Fritz Schulz, Erich Kaufmann, Hermann Mannheim, Max Alsberg, Julius Flechtheim, Max Rheinstein, Julius Magnus, Hermann Dersch.

In der kürzlich erfolgten externen Begutachtung unserer Fakultät heißt es, »Der Ausbau und die Verstetigung der Studien zum Jüdischen Recht ist nach Auffassung der Kommission gerade am Standort Berlin unbedingt notwendig und richtungweisend, und die Fakultät trägt hierfür eine besondere Verantwortung.«